Ich habe mich heute morgen mal wieder, wider besseren Wissens, auf Facebook herumgetrieben und bin, wie sooft, bei den Nachrichten hängen geblieben die sich mit der aktuellen Flüchtlingsthematik beschäftigen.

Ich nenne sie hier bewusst eine Thematik und keine Krise oder ein Problem, da dies direkt eine ablehnende, abweisende und negative Meinung darlegen würde die ich selbst nicht in dieser Reinform besitze. Ich möchte von einem Erlebnis berichten welches ich letztes Wochenende machen durfte. Der Hintergrund war ein durch ein Projektteam initiiertes Sportfest für Asylsuchende, welche seit fast einem Jahr in einer Halle in der Nähe untergebracht sind, zumeist junge Männer aus vielen verschiedenen Ländern. Das Sportfest fand bei fast 30 der jungen Menschen großen Zuspruch und wir kamen in den wirklichen Genuss mit diesen einen Tag zu verbringen. Ich hatte zuvor noch keine Chance gehabt in nähren Kontakt mit Asylsuchenden zu treten, meine Erfahrungen beschränkten sich auf einen neugierigen Blick in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder ein Lächeln beim Vorbeigehen, nun hatte ich die Möglichkeit ihnen direkt entgegenzutreten und mit ein paar von ihnen in Austausch zu treten. Ich behaupte nicht, dass sich meine Erfahrungen auf alle Menschen in einer ähnlichen oder gleichen Lage beziehen können, aber dies kann auch keiner behaupten der nur ein zwei Deutsche kennengelernt hat und daraus das Bild Deutschlands ableitet. Was ich aber sagen kann ist, dass ich an diesem Tag unglaublich freundliche, zum Teil sehr zurückhaltende und vorsichtige, höfliche und begeisterungsfähige junge Menschen kennengelernt habe und ich mir vorkam wie auf einen großen Familienfest. Besonders berührt hat mich eine Situation welche mir zeigt, dass trotz aller Unterschiede und kultureller Hindernisse die Möglichkeit zum guten, friedlichen, achtungsvollen Miteinander möglich ist: ein Mann war gestürzt und ein anderer eilte zu ihm um ihm wieder auf die Beine zu helfen, an sich ist daran nichts besonders, auf Fußballplätzen auf der ganzen Welt ereignet sich eine solche Handlung andauernd, das besondere war also nicht die Beobachtung an sich, sondern die Erklärung die mir ein Mann aus Baghdad lieferte, er sagte, dass dies das erste Mal ist dass die beiden Männer in Kontakt zueinander treten, denn ihre Länder sind Feinde und ihnen wird beigebracht den anderen zu hassen und zu meiden, diese Geste des Aufhelfens und des Reichens der Hände war bis zu diesem Zeitpunkt unmöglich. Mich hat es berührt zu sehen, dass sich Grenzen und auch Hass im Sport und im guten Miteinander und in der Auseinandersetzung miteinander auflösen lassen können. Ein zweiter Höhepunkt, welcher ebenso erst durch die Erklärung zum Gänsehautmoment wurde war die Gesangseinlage eines knapp 20 Jahre alten Mannes welcher auf arabisch einLied vortrug. Ich spreche kein arabisch und dachte zunächst, dass es wohl eine Art Gebet ist oder etwas wie bei uns die bekannten Kinderlieder, halt etwas das einsam leicht von den Lippen kommt und einfach vorzutragen ist. Wieder half mir einer der Anwesenden mit einer Übersetzung der Situation aus, der Sänger sang vom Verlust der Familie und der Heimat, von Abschied und Trennung und davon sein altes Leben zu vermissen. Ich habe mir zwar schon viele Gedanken über die Asylsuchenden in Deutschland gemacht und mir auch schon des Öfteren vorgestellt, dass es für sie sehr schwer sein muss sich in ein solches neues Leben einzufinden und mit den Umständen klar zu kommen, aber erst in diesem besonderen Moment würde mir klar, dass sie zum großen Teil nicht hier sind weil sie es unbedingt wollen sondern weil es nicht anders geht, weil sie müssen. Sie sind so jung, zumindest diejenigen welche ich kennenlernen durfte, und haben alles hinter sich gelassen, ihre Familie und ihre Heimat und hier, in Deutschland, treffen sie auf eine Mauer aus Ablehnung, Hass und Feindseligkeit ohne, dass sie persönlich irgendjemanden geschadet haben, sie wollten nur das was wir jeden Tag genießen dürfen: Frieden und das Recht auf ein menschenwürdiges Leben.
Ich werde diese Menschen nicht über einen Kamm scheren, gutes und böses gibt es überall und ich möchte allen Menschen die Chance geben sich durch sich selbst zu definieren und nicht als Teil einer Masse, dies werde ich Deutschen und Asylsuchenden, jedem einzelnen Mensch zugestehen und ich hoffe, dass dieser ungerechtfertigte und unreflektierte Hass nicht noch weiter um sich greift.

Ich habe mal wieder mein Versprechen gebrochen und mich zum gefühlt 100ten Mal über diese Thematik geäußert, es tut mir leid, wenn dies dich stört, aber das Wochenende war für mich der Beweis dafür, dass ich mit meinen Gedanken bezüglich der Asylsuchenden nicht vollkommen falsch liege und ich wollte dieses Erlebnis zumindest in Kurzform öffentlich machen.

Ich wünsche dir und euch ein wunderschönes kommendes Wochenende.

Alles Liebe, eure Maria