Es ist erstaunlich, dass Menschen oftmals mehrere Gesichter besitzen. Eines, dass sie der Welt zeigen, eines, dass sie Bekannten und entfernteren Verwandten und Freunden zeigen und eines, dass sie nur ihren engsten Vertrauten offenbaren.

Ich erkenne dies bei mir selbst, nach außen wirke ich manchmal kühl, vielleicht sogar ein wenig arrogant, Freunde halten mich für zurückhaltend und situationsbedingt auch eigenbrödlerisch, nach besserem Kennenlernen dann vielleicht für ein wenig überdreht. Nur die Menschen, die mir am nächsten stehen kennen mich so wie ich mich auch selber sehe. Ich bin also in einem bestimmten Teil meiner Tageszeit ein anderer Mensch.. Ist das nicht merkwürdig? Sollte man nicht immer man selbst sein, sagen einem das nicht alle weisen Sprichwörter und heißt es nicht überall, dass man der sein soll der man ist? Vielleicht gehören diese verschiedenen Personen jedoch zu mir als Mensch, vielleicht macht gerade das mich aus. Mir persönlich wäre es zu privat, zu intim, allen das zu zeigen was ich meinem Mann, meinen Eltern oder meiner besten Freundin offenbare. Es macht mich verletzlich und angreifbar, wenn ich mein Wesen jedem offenlege und dies ist der Grund aus dem ich verschiedene Gesichter besitze und diese nicht als Makel sondern als Schutz und Sicherheit ansehe. Ich bestimme wer was von mir erfahren kann und darf. Dafür habe ich meine Masken, um mein Selbst zu bestimmen und Vertrauen, Nähe und das Wissen um meine Schwächen, Wesenheiten und Eigenheiten nach meinem Ermessen „verteilen“ zu können.

Ich habe eine, nennen wir sie mal, Freundin, bei der ich die Maske habe fallen lassen und die mit dem was darunter lag nicht zurechtgekommen ist, weil es im Widerspruch zu dem stand, dass sie vorher in mir gesehen hat. Sie hat mich auf einmal nicht mehr verstanden und ich bereute, dass ich sie an mir habe teilhaben lassen. Sie ebenfalls nicht die, die sie zunächst zu sein schien und nutzte das in sie gesetzte Vertrauen aus. Ich habe mich ebenso wie sie in dem Menschen hinter der Maske getäuscht. Vor einiger Zeit habe ich über Vertrauen geschrieben und ich stehe auch heute noch zu meinen Aussagen, aber ich denke, dass es trotzdem wichtig ist sich nicht jedem gegenüber gleich zu offenbaren. Vollkommene Offenheit ist bestimmt in der Theorie was gutes und schönes, aber es nimmt einem auch wichtige Rückzugsorte. Wenn jeder alles über dich und deine Eigenheiten weiß, steht man Verurteilungen, anderen Meinungen und Einmischungen gegenüber, die auch ungefragt und von Menschen die dazu überhaupt kein Recht haben auf einen einprasseln. Ich hoffe ihr versteht was ich in verworrenen Worten ausdrücken möchte. Seid zu denen ehrlich und wahrhaftig die euch nahe stehen, die euch wichtig sind und die es verdienen den Kern eures Wesens zu kennen, und zudem diesen verstehen und respektieren. Zu allen anderen Menschen könnt und sollt ihr natürlich auch ehrlich sein, aber für mich ist die vollkommene Offenheit ein Privileg und vielleicht auch die Last der Menschen die mein Leben und mein Sein mitbestimmen und mitprägen, alle Anderen lernen mich zunächst als einfachere, mackenfreiere Version meiner Selbst kennen. Ihr müsst meine Meinung nicht teilen, aber gerade das Wiedersehen mit Menschen die ich lange Zeit nicht gesehen habe und zu denen der Kontakt abgebrochen ist hat mir gezeigt, dass es für mich sehr wichtig ist mir meine Spähren zu bewahren und meine Masken.
Nur so nebenbei, dieser Blog ist schon aufgrund dieser Sichtweise Neuland für mich, er ist öffentlich und alle können ihn lesen, wenn sie es denn wollen, und trotzdem bin ich hier maskenlos. Und es gefällt mir.

Passt auf euch auf und auf einander, ich hoffe sehr, dass ihr Menschen um euch habt die euch als Menschen unter der Maske verstehen und respektieren!

Eure Maria