Gruppen sind wie kleine Galaxien. Es gibt die Sonne um die alles kreist (den Anführer, Taktgeber, das Alpha-Männchen und die Leitkuh) und viele Planeten, die mal näher dran (Beta-Männchen, die rechte Hand, den Vize) und mal weiter weg (das Fußvolk, die Mitläufer, die „Normalen“) sind, es gibt schnell verglühende Sterne (Eintagsfliegen, Reiserückkehrer, One-Hit-Wonder) und einen Mond der ab und an seine hellen Momente (der Scherzkeks, Klassenclown, Witzbold) hat.

Manche Himmelskörper sind voller Leben, manche tot und wüst, aber alle zusammen bilden dieses unglaublich komplexe System, das sich gegenseitig anzieht und abstößt. In den meisten Gruppen scheine ich der Pluto zu sein, oder vielleicht auch nur eine Sternschnuppe oder das schwarze Loch. Meine Existenz scheint zuweilen einer wissenschaftlichen Untersuchung zu bedürfen um als real anerkannt zu werden und von Zeit zu Zeit kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ich eigentlich nicht existiere. Ich bin das unentdeckte Planetchen am Rande des Universums, das nicht dazugehört zu den großen Planeten, das nicht im Glanz der Sonne steht und das auch nicht wichtig ist im Gefüge des Kosmos. Ab und zu steche ich jemanden Mal ins Auge, wenn sich das Teleskop in die dunklen Nischen der unendlichen Weite verirrt und dann habe ich meine Momente der Aufmerksamkeit die (manchmal zum Glück) schnell vergehen. Bis hierher klingt der Text bestimmt nicht sehr erheiternd und auch nicht fröhlich, glücklich und zufrieden. Aber der Schein trügt. Ich bin vielleicht ein Mensch der in Gruppen schwer zu entdecken ist, der im Kosmos nicht den Platz unter den großen strahlenden Himmelskörpern einnimmt, aber wirft man einen genaueren Blick auf den Flecken in den Tiefen des Weltalles, dann ist dort nicht der schwarze, trübsal blasende, unglückliche Miniplanet zu finden, der sich allein in die Schatten drückt. Ich bin der Planet der umgeben ist von einem weitläufigen Verbund von liebevollen, wärmenden Sonnen, von Zwergplaneten, Monden und was es sonst so alles gibt. Ich gehöre keiner engen, zum Teil mit Zwängen belasteten, um einen Punkt kriesenden Gruppe an, sondern ich gehöre zu einer weitverzweigten, losen und doch festen, in sich stabilen Verbindung die viele Mittelpunkte kennt und ihre kleinen und großen, lauten und leisen, hellen und dunklen Mitglieder mit Freiraum, Liebe, Zuneigung, Verständnis und der Möglichkeit man selbst zu sein beschenkt.

Die ganzen Metaphern sind zwar nicht im Ansatz wissenschaftlich fundiert, aber der Kern der Sache ist schlicht und ergreifend, dass ich als Person und am heutigen Tage glücklich bin mit meiner Position in und auf dieser Welt. Ich musste dies jetzt mal zu Papier bringen, da mich der heutige Abend ein wenig.. runtergezogen hat. Ich war umgeben von Menschen und doch irgendwie allein in einem großen Raum. Zuweilen ist das so im Leben eines Menschen und es ist in Ordnung, aber in meinen Sphären fühle ich mich sehr viel wohler, dort wo ich wahrgenommen werde und nicht in der Menge untergehe und bei den Menschen, die mich ansehen und wirklich sehen und nicht bloß durch mich hinurch.. Ich brauchte diese Möglichkeit mich selbst zu reflektieren und zu erkennen, dass das alles nicht wichtig ist, dass ich genau dort bin wo ich hingehöre.

Und euch, liebe Leser, wünsche ich genau das, dass ihr wisst wo ihr hingehört (nicht im bösen Sinne), dass ihr euch niemals verloren und allein fühlt, sondern das, vielleicht kleine, vielleicht auch weit verzweigte Gefüge um euch herum entdeckt und erlebt. Ich hoffe, dass ihr Teil eines fantastischen Universum seid und als großer, mittlerer oder kleiner Planet, als Sonne oder Mond oder was auch immer ihr gern sein wollt, in einem guten, liebevollen Netzwerk verknüpft seid. Und wenn ihr euch mal, so wie ich heute, am Rand des Geschehens wahrnehmt, dann erinnert euch an das was wirklich zählt und lächelt.

Somit komme ich hier zum Ende meiner kruden Gedanken und wünsche euch einen schönen Abend!

Eure Maria