„Der Staat hintergeht uns, die Politik vertuscht alles und die Nachrichten sind voller Lügen.“ Das kann man derzeit auf so ziemlich jeder Internetseite mit politischen und tagesaktuellen Themen lesen, doch stimmt es?

Ich denke nicht.

Die Zeiten in denen Deutschland sich gerade befindet sind sehr rau, viele sind aufgebracht, verärgert und verängstigt, es passiert so viel und das alles ohne lange Vorbereitungszeit. Das Land wird vor eine Aufgabe gestellt und somit ebenso auf eine Probe. Es ist bestimmt nicht einfach in diesen Tagen als Politiker Entscheidungen zu treffen, eine Meinung zu haben, nicht mit dem Strom zu schwimmen und trotzdem das (gespaltene) Volk in seinem Willen zu verstehen, zu unterstützen und dabei nicht den Kopf zu verlieren. Es ist so wahnsinnig leicht auf alle wütend zu sein, zu sagen, dass keiner seinen Job richtig zu tun versteht und die gesamte Politik ein richtungsloser, sich mit dem Wind drehender Haufen ist, der in sich uneins und zerstritten gegen einander und für so wenig kämpft. Aber ich wüsste zuweilen ebensowenig was zu tun und zu unterlassen ist, gerade ist alles ein Drahtseilakt und die von so vielen Stimmen geforderten Maßnahmen sind zumeist einfach keine menschliche, praktikable und mit dem eigenen Gewissen vereinbare Möglichkeit. Für so viele erscheint alles so einfach: Alle abschieben, Grenzen dicht und Augen zu. Ich möchte nicht in einem Land leben in dem kollektives Wegschauen Schule macht. Es mag sein, dass Dinge aus dem Ruder laufen, dass schreckliches passiert, dass nicht jeder das Verhalten an den Tag legt, dass er zeigen sollte, aber sollten wir deshalb jeden verurteilen nur weil er aus dem selben Land kommt, dieselbe Religion besitzt oder die gleiche Sprache spricht wie derjenige der Straftaten begeht? Jeder Mensch sollte nach den eigenen Taten beurteilt werden und nicht nach denen seiner Landsleute.
Es macht mich traurig, wenn ich lese, höre und sehe welcher Hass und welche Feindseligkeit sich gerade in den (ach so) sozialen Netzwerken ausbreitet. Das Hängen, köpfen und verstümmeln wird in einem Satz mit der lebenslangen Wegsperren dieser „Barbaren“ gefordert. Es mögen Menschen sein, die die Würde anderer Menschen mit Füßen treten und sich selbst als unantastbar sehen, dennoch machen solche Aussagen den Schreiber selbst zu dem das er eigentlich zu verabscheuen scheint.Wo kommt dieser Hass her? Warum diese Aggressionen gegen Menschen die man selbst nicht kennt, wieso wird direkt alles verallgemeinert und das Herz vor denen verschlossen die schuldlos und hilfesuchend in unser Land kommen? Ich verrenne mich mal wieder in Entrüstung, aber nur weil mir manchmal wirklich der Atem wegbleibt wenn ich, obwohl ich es besser wissen müsst, die Internetseiten nach Nächstenliebe und Reflexion durchsuche und zwischen all dem Hass und der Wut nur selten eine wehrhafte Stimme finde. Mir selbst kann man es zur Last legen, dass ich nicht den Mut aufbringe zu schreiben und zu verteidigen woran ich glaube, aber ich hab nach einigen Versuchen den Kopf eingezogen, gegen diese Mühlen kann man nicht kämpfen und auf Erfolg hoffen und diese Tatsache macht mich einfach innerlich fertig, zuviel Meinungen die sich festgefahren haben und deren Besitzer sich im absoluten, unanfechtbarem Recht sieht. Hier darüber zu schreiben erscheint mir als eine bessere Möglichkeit mich auszudrücken und meinen Gedanken, Träumen und Ängsten Raum zu geben. Ihr könnt gerne mit mir unter diesem oder jedem anderen Beitrag diskutieren und ich bin gerne bereit meine Gedanken mit oder für euch zu erläutern und vielleicht neue Sichtweisen entdecken.

Soweit erst mal dazu. Jetzt bin ich ein bisschen ruhiger, es tut gut seine Gedanken niederzuschreiben und sich damit ein wenig Chaos aus dem Kopf zu tippen. Danke für eure Geduld mit mir, bald widme ich mich wieder aufbauenderen Themen.

Fühlt euch umarmt.

Eure Maria