Kennt ihr diese Spiele bei denen es darum geht das Vertrauen ineinander auszutesten? Meist geht es darum sich fallen zu lassen, blind und ohne Sicherungsleine in die Arme der Anderen, rückwärts zu stürzen und gefangen zu werden, wenn man sich denn traut und wenn man einander vertraut. Genau darum geht es beim Vertrauen, sich ohne Absicherung in die Arme des Anderen fallen zu lassen, sich einfach dem anderen zu übergeben, ohne durch die Risiken abgeschreckt zu werden. Was ist, wenn er mich fallen lässt, was ist, wenn er nicht stark genug ist um mich aufzufangen, was ist, wenn alles von vorn herein nur eine List war und niemand dort ist um meinen Sturz zu bremsen? Risiken, die man einzugehen bereit sein muss, wenn man vertrauen möchte.

Vertrauen in den Partner, dass er einen nicht wegen einer Nichtigkeit verlässt, dass er einem beisteht auch wenn die Zeiten rauer werden, dass er treu bleibt auch wenn Versuchungen locken, dass er einen liebt obwohl man es eigentlich ab und zu nicht verdient.

Vertrauen in die Familie, dass sie einen sein lässt wie man ist, dass sie Entscheidungen akzeptiert, dass sie trotz Streit und Uneinigkeit dennoch zusammenhält wenn es darauf ankommt, dass sie wenn das Leben zu schwer wird die Last mitträgt, dass sie die Heimat ist die man als Kind erfahren hat.

Vertrauen in die Welt, dass trotz aller Kriege immer der Wille zum Frieden erhalten bleibt, dass das Gute siegt, dass die Menschen den Wert des Lebens und der Liebe erkennen, dass auch wenn alles düster erscheint stets ein Licht zu sehen ist, ein kleiner Funke Hoffnung der uns dazu auffordert das Vertrauen in diese Welt nicht zu verlieren.

Vertrauen ist etwas das man sich sprichwörtlich nicht kaufen kann, denn es ist ein Geschenk welches jeder Mensch einem anderen machen kann. “Ich vertraue dir!” Diese drei Worte sind angefüllt mit Mut, Liebe, Freundschaft, aber auch mit Verletzlichkeit und der Aufgabe von schützenden Mauern. Vertrauen öffnet die Tür zu einem selbst und erlaubt es einem anderen Menschen nah heran zu treten und auch die schwachen Stellen zu entdecken, die Fehler die einen angreifbar machen, die Makel die durch die Alltagsmaske verdeckt wurden, die Kratzer, Dellen und Narben die das Leben auf einem Menschen hinterlässt. Vertrauen ist kostbar.

Ich habe mich einmal einem anderen Menschen anvertraut, doch nach einiger Zeit zu meinem Entsetzen festgestellt, dass er mein Vertrauen, mein Senken der mich umgebenden Mauern, meine Öffnung des Herzens und meine Verletzlichkeit mit den Füßen tritt, es war ihm nicht bewusst oder egal wie weh er mir tut weil ich alles gegeben und nur Schmerzen bekommen habe. Es war nichts körperliches und auch kein großes Ereignis für alle anderen, es war nur für mich ein Schlag in die Magengrube. Vertrauen macht so verletzlich, dass viele dazu übergegangen sind niemandem zu vertrauen um sich selbst vor Schmerzen und Leid zu schützen, aber auch dass ist kein Weg der glücklich macht, denn niemand ist für sich allein und mit Skepsis vor allem und jedem gut beraten. Vertrauen kann auch Gutes bewirken. Nehmen wir die Liebe, was wäre sie ohne das Vertrauen in den Geliebten? Wenn ich ihm nicht den Rücken zuwenden kann weil ich nicht weiß was dann passiert, wenn ich in ständiger Sorge um seine Absichten und Taten leben müsste, wenn ich alles absichern muss, mit Netz und doppelten Boden, damit auch ja nichts passiert.. Dann wäre es keine Liebe mehr, denn Liebende sind die größten Vertrauten. Denn nur bei meinem engsten, liebsten, besten Vertrauten kann ich ich sein, ohne Mauern, ohne Maske, einfach die die ich bin. Ich kann ihm darin vertrauen, dass er meine Makel sieht und als Teil von mir annimmt, dass er über die Narben und Kratzer streicht und sie verblassen lässt, dass er meine schwachen Stellen schützt und begreift, dass all das Ich bin. Vertrauen bedeutet Selbstaufgabe und Risikobereitschaft, Mut und Offenheit, Vertrauen ist die Essenz der Liebe.

Ich hoffe ihr merkt an diesen Zeilen wie sehr ich Vertrauen wertschätze und an dieser Stelle kann ich sagen, dass ich auch euch vertraue, denn ich lege euch ein kleines Stückchen meiner Selbst in Händen. Ich vertraue euch und möchte euch raten den Menschen um euch herum ebenfalls Vertrauen entgegen zu. Ringen, sie werden euch von Zeit zu Zeit verletzen, euer Vertrauen nicht erwidern und euer Vertrauen missbrauchen, aber, bitte, verliert niemals das Vertrauen daran, dass es gut ist seinem Gegenüber einen Vertrauensvorschuss zu gewähren, Enttäuschungen gehören zum Leben dazu, aber ab und zu werdet ihr davon überrascht werden welche Wunder ein bisschen Vertrauen ineinander bewirken kann.

Genießt euren Freitag,

Eure Maria